Eine frühzeitige Diagnostik ist wichtig

Aufgrund der Schwere der HE-Erkrankung sollte die Diagnose so früh wie möglich durchgeführt werden, um eine effektive und sichere Langzeitprophylaxe einzuleiten bzw. einer HE vorzubeugen.1

Zur Beurteilung des Schweregrades einer HE gibt es vielfältige Möglichkeiten. Die Untersuchungen reichen von einfachen klinischen Beurteilungsmaßnahmen bis hin zu komplexen psychometrischen und neuropsychologischen Tests, wobei keines der derzeitigen Verfahren das gesamte Spektrum abdeckt. Die geeigneten Diagnoseverfahren sind je nach Schweregrad unterschiedlich.2

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HE-Diagnosetools

Streichhölzer als Diagnosetool?
Bei Patienten mit einer chronischen Lebererkrankung, kann dieses einfache Hilfsmittel tatsächlich Hinweise liefern.
Getestet werden hierbei die kognitiven Fähigkeiten des Patienten. Als Folge einer chronischen Lebererkrankung (z. B. Leberzirrhose) kann es nämlich zu einer Funktionsstörung im Gehirn kommen – der sogenannten Hepatischen Enzephalopathie.
Die HE stellt eine ernstzunehmende Gefahr für die Gesundheit der betroffenen Patienten dar.1,3,4 Sie schränkt die Alltagstauglichkeit der Patienten ein 5–9 und erhöht das Mortalitätsrisiko.4,10,11
Eine HE entwickelt sich in der Regel schleichend und ist deshalb nicht einfach zu erkennen. Allerdings sind aufgrund der Schwere der Erkrankung eine frühe Diagnose und ein baldmöglichster Therapiestart besonders wichtig.1 Zu
Beginn der Erkrankung kann sich eine HE durch Gangunsicherheit, Sprachschwierigkeiten, verwaschene Sprache, Wortfindungsstörungen, Erinnerungslücken, ein verzerrtes Schriftbild oder zitternde Hände bemerkbar machen.2
Liegen Anzeichen für eine Hepatische Enzephalopathie vor, können in der Arztpraxis erste einfache Untersuchungen durchgeführt werden.2 Zu diesen zählen u. a. der Streichholztest, der Zahlenverbindungstest, der Animal-Naming-Test und die Analyse des Schriftbilds:

Streichholztest

Im Vergleich zur Lactulose-Therapie führte Rifaximin zu weniger Hospitalisierungen, einer kürzeren Aufenthaltsdauer und geringeren jährlichen Hospitalisierungskosten.5

Grafik adaptiert nach: Ratgeber für Patienten der Gastro Liga e.V. 12

 

Zahlenverbindungstest

Beim Zahlenverbindungstest wird auf einem speziellen Testbogen eine Reihe von Zahlen chronologisch miteinander verbunden. Die Zeit, die der Patient zum Erfüllen der Aufgabe benötigt, lässt Rückschlüsse auf das Vorliegen einer HE zu.

 

Animal-Naming-Test

Beim sogenannten Animal-Naming-Test besteht die Aufgabe darin, möglichst viele verschiedene Tiere aufzuzählen.
Die Anzahl der aufgezählten Tiere kann dann einen Hinweis auf das Vorliegen einer HE liefern.

Schriftprobe

Bei der Schriftprobe wird ein kurzer Satz vom Patienten aufgeschrieben und das Schriftbild vom Arzt analysiert.
Dieser Test wird vor allem auch zum Überprüfen des Fortschreitens der Erkrankung eingesetzt.

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HE-Diagnose laut S2k-Leitlinie13

Gemäß der S2k-Leitlinie der DGVS# sollen Patienten mit einer
Leberzirrhose bei Erstdiagnose sowie im Verlauf auf Symptome einer
manifesten HE klinisch beurteilt werden.13

Ein Beratungsgespräch sollte mit dem Patienten mit Zirrhose und HE über die Konsequenzen der Diagnose (u. a. im Hinblick auf eine Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit) geführt werden.13
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HE-Diagnose in der Praxis

Bei Betreten der Praxis/ des Sprechzimmers

  • Gangunsicherheit

Im Arztgespräch

  • Sprachschwierigkeit
  • Verwaschene Sprache
  • Wortfindungsstörung
  • Erinnerungslücken
  • Schriftbild verzerren
  • Hände zittern

Körperliche Examination

  • Aszites
  • Blutungszeichen
  • Spider-Naevi

Anamnese

  • (Bekannte) Leberzirrhose
  • Alkoholkonsum
  • Virushepatitis
  • Fettleber
  • Diabetes mellitus Typ II

Erste Untersuchung auf HE

  • Zahlenverbindungstest
  • Schriftprobe
  • Flickerbrille (falls vorhanden)
 

Modifiziert nach den EASL/AASLD-Leitlinien: Vilstrup et al. J Hepatol. 2014; 61(3): 642–59.

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HE-Diagnose in der Klinik: Vorgehen bei neuropsychiatrischen Störungen

Anamnese

  • (Bekannte) Leberzirrhose
  • Alkoholkonsum
  • Fettleber
  • Diabetes mellitus Typ II
  • TIPS

Körperliche Examination

  • Neurologische/psychische Auffälligkeiten
  • Aszites
  • Blutungszeichen
  • Spider-Naevi

Weiterführende Diagnostik zum Ausschluss/Nachweis einer HE

 

Modifiziert nach den EASL/AASLD-Leitlinien: Vilstrup et al. J Hepatol. 2014; 61(3): 642-59.

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HE-Diagnose in der Klinik: Vorgehen bei Komplikationen einer Leberzirrhose

Anamnese

  • (Bekannte) Leberzirrhose
  • Alkoholkonsum
  • Virushepatitis
  • Fettleber
  • Diabetes mellitus Typ II
  • TIPS

Körperliche Examination

  • Aszites
  • Blutungszeichen
  • Spider-Naevi
  • Psychische/neurologische Auffälligkeiten

Ergänzende Untersuchung auf HE

  • Zahlenverbindungstest
  • Schriftprobe
  • Flickerbrille (falls vorhanden)
  • Ammoniak im Serum

Bei Diagnose HE

  • Akuttherapie
  • Prophylaxe

 

Modifiziert nach den EASL/AASLD-Leitlinien: Vilstrup et al. J Hepatol. 2014; 61(3): 642–59.

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Auslöser von HE-Episoden

Eine HE kann bspw. durch gastrointestinale Blutungen, Infektionen oder Nierenfunktionsstörungen ausgelöst werden. Bei 50–80 % der Patienten mit episodischer HE treten identifizierbare Auslöser auf, die anamnetisch geklärt werden sollten. Die gezielte Anamnese von HE-Episoden schafft Klarheit und ermöglicht Prävention.2

# Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten.

1. Sheasgreen et al. Inflammopharmacology 2014; 22(6): 319–326. / 2. Cordoba, J Hepatol. 2011; 54(5): 1030–40. / 3. Jablonowski Thieme Praxis Report: Hepatische Enzephalopathie 2014; 6(1): 1–16. / 4. Moscucci F, et al. Liver Int 2011; 31(10): 1505–10. / 5. Sanyal A, et al. Aliment Pharmacol Ther 2011; 34(8): 853–61. / 6. Bajaj JS, et al. Gastroenterol 2010; 138(7): 2332–40. / 7. Sotil EU, et al. Liver Transpl 2009; 15(2): 184–92. / 8. Bajaj JS, et al. Am J Gastroenterol 2011; 106(9): 1646–53. / 9. Jepsen P, et al. Hepatology 2010; 51(5): 1675–82. / 10. Stewart CA, et al. Liver Transpl 2007; 13(10): 1366–71. / 11. Vilstrup et al. J Hepatol. 2014; 61(3): 642–59. / 12. Ratgeber für Patienten der Gastro Liga e.V.: „Leberkoma – Hepatische Enzephalopathie“. Abrufbar unter https://www.gastro-liga.de/download/leberkoma-0307-web.pdf (letzter Aufruf August 2018). / 13. Zeitschrift für Gastroenterologie 2019; 5: 611–80.